Gestalttherapie

Gestalttherapie hat nichts mit Basteln zu tun! Sie geh√∂rt zu den humanistischen Heilverfahren der Psychotherapie. Die Begr√ľnder, Laura und Fritz Perls, waren erfahrene Psychoanalytiker und haben die Psychoanalyse gemeinsam mit anderen Therapeuten in den 40er und 50er Jahren zur Gestalttherapie weiter entwickelt.

Es ging ihnen darum, dass Klienten in der Therapiestunde nicht nur √ľber ihre Erfahrungen sprechen, sondern dass sie die damit verbundenen Gef√ľhle auch tats√§chlich erleben. So ist es einerseits m√∂glich, unabgeschlossene Geschichten

der eigenen Biografie abzuschlie√üen und andererseits auch neue Erfahrungen zu machen. Die Gestalttherapie geht von Folgendem aus: Wir haben unsere bisweilen hinderlichen Muster im Kontakt entwickelt (z.B. mit den Eltern) und wir k√∂nnen sie auch im Kontakt durch neue Erfahrungen wandeln. Dabei ist es wichtig, m√∂glichst genau zu sp√ľren, wie es mir in einer kritischen Situation gerade geht, und dabei auch wahrzunehmen, wie mein K√∂rper reagiert.

Die "Gestalt" meint die kleinste Erlebniseinheit. In jeder Minute unseres Lebens "√∂ffnen" sich solche Gestalten. Ein einfaches Beispiel: Ich rieche einen ofenwarmen Apfelstrudel. Aus dem "Hintergrund" kommen automatisch meine Erfahrungen, Assoziationen und Gef√ľhle dazu in den "Vordergrund": Zum Beispiel, dass ich Apfelstrudel nie essen konnte, weil ich die Rosinen darin nicht mochte. Jetzt esse ich den Apfelstrudel vielleicht doch und mache dabei m√∂glicherweise eine neue Erfahrung: Zum Beispiel, dass es auch Apfelstrudel ohne Rosinen gibt. Oder dass mir die Rosinen pl√∂tzlich doch schmecken, weil ich mein Verh√§ltnis zu ihnen ver√§ndert habe. Die "Gestalt" ist jetzt "geschlossen" und sinkt zusammen mit der neuen Erfahrung zur√ľck in den Hintergrund. Beim n√§chsten Mal werde ich eine Begegnung mit Apfelstrudel dann anders erleben. Das kann ich nat√ľrlich √ľbertragen auf mein Verh√§ltnis zu Vorgesetzten, Freunden, Eltern, meinem Partner oder auch zu mir selbst.

Gestalttherapeuten setzen also darauf, dass sich die kritischen Gestalten eines Klienten in der Therapiestunde √∂ffnen, dass er w√§hrenddessen eine neue Erfahrung damit machen kann und dann ein neues Verh√§ltnis zu dem Thema bekommt. "Laboratorium" f√ľr solche gestalttherapeutischen Prozesse ist die Beziehung zwischen Klient und Therapeut (siehe voriges Kapitel).

Wenn Sie mehr √ľber Gestalttherapie erfahren m√∂chten, k√∂nnen Sie zum Beispiel meine 20-min√ľtige Radiosendung des Bayerischen Rundfunks hier nachh√∂ren.

"Alles, was ein Mensch abgespalten hat, kann er wieder zur√ľckgewinnen, und das Mittel       dieser Wiedergewinnung ist Verstehen, Spielen, ist das Einswerden mit diesen       abgespaltenen Teilen."  (Fritz Perls)

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